Lightroom Enfuse

Der Wunsch vieler Lightroom Anwender: HDR -Bilder direkt in Lightroom erzeugen zu können. Timothy Armes hat dafür ein PlugIn für Lightroom2 geschrieben: LREnfuse.

Damit kann man in einem Aufwasch mehrere Bilder direkt in Lightroom aneinander ausrichten und überlappende Randbereiche wegschneiden lassen. So ähnlich, wie Sie das aus Photoshop mittlerweile gewohnt sind, aber natürlich mit dem typischen Lightroom-Anspruch, unkompliziert und nondestruktiv. Danach wird ein Zielbild aus den unterschiedlich belichteten Aufnahmen erzeugt, in dem der Tonwertumfang aller Einzelaufnahmen enthalten ist.

HDR-Bild aus Lightroom

Das Ergebnis kann als Alternative zur arbeitsintensiveren Erzeugung von High Dynamic Range (HDR)-Bildern in Photoshop angesehen werden und eine Menge Arbeit sparen.

Idealerweise haben Sie ein Motiv mit mehreren Belichtungen, dessen gesamten Tonwertumfang Sie in ein Zielbild hineinbekommen wollen: Also keine zugelaufenen Schatten, wenn auf die Fenster richtig belichtet wurde und keine überstrahlten Fenster, wenn die Schattenpartien Zeichnung aufweisen – so, wie man das von HDR erwarten darf. Eben ein sehr hohes Kontrastverhältnis innerhalb eines Bildes, der aus mehreren Ursprungsbildern gewonnen wurde.

Das Ergebnis von LREnfuse kann ein Tiff im 8- oder 16-Bit Modus oder ein JPEG sein, das über einen Export-Vorgang Ihrer Raw-Daten erzeugt und in einem Zielordner abgelegt wird. Ihre Originalbilder sind also zu keinem Zeitpunkt in Gefahr.

Auf der Website von Timothy Armes finden Sie den PlugIn-Download in einer zeitlich unbegrenzten kostenlosen Testvariante, die eine Größenrestriktion auf 500 Pixel Kantenlänge aufweist – zum beschnuppern allemal ausreichend. Den Link zur »Vollversion« bekommen Sie nach einer Spende in beliebiger Höhe via PayPal freigeschaltet. Danach entfällt die Größenrestriktion.

Das Workshop-Beispiel

Die vier Aufnahmen aus einer Kirche wurden mit einer manuellen Belichtungsreihe gezielt unter- und überbelichtet, um einmal die Schatten und ein anderes Mal die Fenster korrekt zu belichten. Die Raw-Dateien wurden nicht bearbeitet. Das Ergebnisbild wurde mit den Standardeinstellungen von LREnfuse erzeugt und anschließend nicht mehr korrigiert. Auch wenn das Ergebniss etwas »flau« wirkt – es verfügt jetzt über den kompletten, lückenlosen Tonwertumfang im 16Bit-Modus und bietet enorme Reserven für eine finale Tonwert-Korrektur. Da auch diese nach Lightroom-Manier nondestruktiv erfolgt, kann sie jederzeit verlustfrei geändert werden.

Auf der Website von Timothy Armes finden Sie die Installationsanleitung für das PlugIn für Windows und MacOS.
http://timothyarmes.com/lrenfuse.php?sec=install

Der Workshop

Wir beginnen mit den vier Ausgangsbildern im DNG-Format mit den gezielten Unter- und Überbelichtungen.

Ausgangsbild1

Ausgangsbild2

Ausgangsbild3

Ausgangsbild

Unter Datei > Zusatzmodul-Manager müssen Sie zunächst das zuvor nach Anleitung installierte LREnfuse PlugIn in das Programm laden. Die Installationsanleitung finden Sie auf der Website von Timothy Armes.

zusatzmodulmanager1

Im Interface des Lightroom-Zusatzmodul-Managers müssen Sie danach Lightroom den Pfad zum PlugIn zuerst einmal zeigen.

zusatzmodulmanager2

Danach können sie auf das Werkzeug im darunter liegenden Menüeintrag zugreifen. Wählen Sie im Menü Datei > Zusatzmoduloptionen das PlugIn LR/Enfuse. Die Einstellungen werden in vier Schritten im übersichtlichen Interface des PlugIns vorgenommen.

lrenfuse1

Im Reiter »Ausgabe« haben Sie als erstes die Möglichkeit, in einem Stapelverarbeitunsprozess mehrere vorbereitete Bildstapel abarbeiten zu lassen. Für's erste empfehle ich Ihnen, es erst einmal ohne diese Automatik anzugehen.

Im Feld »Ausgabeoptionen bestimmen Sie den Zielordner für das HDR-Bild. Hier treffen Sie auch Entscheidungen über die Qualität und den Datentyp des Exportbildes. Die Skala reicht vom stark komprimierten JPEG bis zum verlustfreien TIFF-Format im 16-Bit Modus.

Auf Wunsch können Sie sich das Ergebnis gleich in Lightroom importieren oder erst einmal im Finder/Explorer anzeigen lassen.

Schritt1Vergrößerung

Den Reiter »Ausrichten« können Sie in der Regel mit den Standardeinstellungen arbeiten lassen. Selbst bei Verwendung eines Stativs kann es zu minimalen Verschiebungen kommen. LREnfuse kann diese automatisch korrigieren.

Schritt 2Vergrößerung

Wenn Sie im Reiter »Enfuse« manuell eingreifen wollen, sollten Sie sich bei jeder Änderung eine neue Vorschau anzeigen lassen. Sie werden aber mit den automatische Einstellungen in der Regel zufriedenstellende Ergebnisse erzielen. Zumindest für erste Tests empfiehlt es sich, nicht allzu hart in die Korrekturtasten zu greifen.

Schritt 3Vergrößerung

Jetzt will das PlugIn noch einmal lokalisiert sein. In der Regel werden Sie das PlugIn im Programmordner installiert haben. Diesen Pfad müssen Sie Lightroom hier noch einmal zeigen. Danach macht sich Lightroom mit »OK« an die Arbeit.

Schritt 4Vergrößerung

Die Verlaufsbalken in der linken oberen Ecke zeigen die aktuelle Arbeitsgeschwindigkeit an, die natürlich von der Anzahl der Arbeitsschritte und der Dateigrößen abhängt.

Schritt5

Zu den Ausgangsbildern hat sich jetzt ein Tiff mit der beachtlichen Göße von 84 MB gesellt, das den Tonwerumfang der vier Ausgangsbilder in sich vereint.

Schritt 6

Wie bei HDR-Bildern durchaus üblich, wirkt das Ergebnis zuerst einmal etwas flau. Da aber bei Korrekturen auf die komplette Tonwertinformation aller Ausgangsbilder zurückgegriffen werden kann, spielt das Format jetzt seine Stärken aus: Anschließende Korrekturen speisen sich aus den enormen Reseven eines 16-Bit tiefen HDR-Bildes.

Schritt 7

Natürlich können Sie die Tonwerkorrekturen verlustfrei direkt auf das Zielbild anwenden. Zum bessen Vergleich können Sie aber auch zuerst eine »Virtuelle Kopie« anlegen. Das erhöht die Datenmenge des Katalogs nur unwesentlich.

Schritt 8

Die üblichen Mittel der Tonwertspreizung und Kontrastanhebung zeigen, dass die Qualität durchaus überzeugen kann. In jedem Bereich des Bildes ist jetzt Zeichnung.

Finales BildVergrößerung

Sie können Ihre Einstellungen beim nächsten Ausführen des PlugIns als Einstellungs-Set abspeichern. Dann können Sie auf bewährte Vorgaben jederzeit zugreifen.

Lightroom2 Workshops

Von Heinz Weidenhüller, dem Autor des im Springer Verlag erschienenen Lightroom-Praxisbuchs werden hier in loser Folge Tipps, Tricks und Workshops zu Lightroom und Photoshop gegeben.

Demnächst kommt der Nachfolger des Praxisbuchs. Dort können Sie die erweiterten Möglichkeiten der aktuellen Lightroom-Version anhand praxisbezogener Workshops kennenlernen und einiges mehr.

High Dynamic Range (HDR)

Wikipedia definiert HDR als diffuse Bezeichnung für ein sehr hohes Kontrastverhältnis in einem Bild. Dieses liegt bei einem normalen Bild, einem sog. LDRI (Low Dynamic Range Image), bei ca. 10.000:1 (chemische Photographie) bzw. 1000:1 (Digitalphotographie), bei einem HDRI (High Dynamic Range Image) eigentlich beliebig hoch, in der Regel bei ca. 200.000:1. HDR-Bilder besitzen keinen absoluten Weißpunkt wie dies zum Beispiel bei JPEG-Bildern, welche für das Internet bestimmt sind, definiert ist. Die Helligkeitswerte können an die vorhandenen physikalischen Werte des fotografierten Objektes angelehnt sein, welche mit der Darstellung auf einem Monitor oder auf Papier zunächst nichts zu tun haben. Das heißt aber auch, dass man nicht alle Intensitäten auf normalen Monitoren richtig darstellen kann. Dazu benötigt man spezielle HDR-Displays. Man kann jedoch einen Eindruck von HDR-Bildern auf normalen Monitoren gewinnen, indem man ein sog. Tone-Mapping-Tool benutzt, um die High Dynamic Range in einen Helligkeitsbereich innerhalb des darstellbaren Kontrastes aufzulösen.
Wie die obenstehenden Zahlen (10.000:1 Kontrastumfang bei chemischer Photographie, 1.000:1 bei Digitalphotographie) andeuten, war es dieser Dynamikumfang, der bisher den großen Vorteil analoger Photographie gegenüber ihrem digitalen Pendant auszeichnete. Gegenüber Film waren bis zum kürzlichen Aufkommen von HDR bei digitalen und Videobildern viele Bildbereiche zumeist stark über- und unterbelichtet bzw. war die Gefahr dafür wesentlich größer, sodass auch die Lichtverhältnisse während der Aufnahme eine wesentlich größere Rolle spielten als beim chemischen Film, um ein ausgewogen belichtetes Bild zu erzielen...

 

Timothy Armes

Timothy Armes, 1973 in London geboren, lebt mit Frau und Tochter in Südfrankreich in der Nähe von Valence.

Auf seiner Website finden Sie sein Portfolio und PlugIns für Lightroom.

 

Heinz Weidenhüller

Der Autor des im Springer Verlag erschienenen Lightroom-Praxisbuchs ist Adobe Certified Expert für Photoshop. Hier veröffentlicht er in loser Folge Fundstücke zu Lightroom und Photoshop.

Weitere Tipps, Tricks und Workshops werden Sie im demnächst erscheinenden Workshop-Buch zu Lightroom finden.

Adobe Photoshop Lightroom® ist ein eingetragenes Warenzeichen von Adobe Sytems Incorporated.

Das PlugIn LREnfuse wurde von Timothy Armes entwickelt.